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26. Dezember 2025 · 3d-druck, ski, basteln

24 Stunden, ein 3D-Drucker und eine Banane

Wie aus einem spontanen Impuls, einer 360-Grad-Kamera und einer überreifen Banane innerhalb von 24 Stunden eine selbst gedruckte Helmhalterung wurde.

Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags, dem 25. Dezember, packte mich gegen 9 Uhr der Impuls, mal wieder Ski fahren zu wollen. An sich kein Problem, denn Ausrüstung und Skigebiet waren schnell gefunden, und Routen, Pisten und Wetter passten für den nächsten Tag ebenfalls.

Schöner wäre es allerdings gewesen, dabei auch meine neue 360-Grad-Kamera mitzunehmen und endlich zu testen. Nur hatte ich beim Kauf natürlich vergessen, gleich eine passende Helmbefestigung mitzubestellen, und an den Feiertagen liefert selbst Amazon keine Halterung mehr rechtzeitig bis zum nächsten Morgen zu mir.

Ohne Kamera loszufahren wäre schade gewesen, aber kein Beinbruch. Andererseits war das Abendessen bei meinen Eltern erst für 19 Uhr angesetzt und für den Rest des Tages hatte ich ohnehin nichts geplant. Blieben also rund zehn Stunden, um mir eine Lösung zu überlegen und nebenbei die Zeit totzuschlagen. Und wozu hat man einen 3D-Scanner, einen 3D-Drucker und ein paar Jahre Erfahrung mit 3D-Modellierung, wenn nicht für genau solche Momente?

Damit war der Gedanke schnell gefasst. Ich baue mir die Halterung einfach selbst. Blieb nur die Frage, was ich außer Helm und Kamera sonst noch einscannen könnte, um dem Ganzen das gewisse Etwas zu geben. Die Antwort lag in der Obstschale, wo eine Banane vor sich hin reifte, die schon bessere Tage gesehen hatte.

Der Plan stand. Eine bananenförmige Kamerahalterung.

Der Tag

10:12 Uhr
Im Kopf ist die Idee fertig durchgeplant. Etwas Arbeit nimmt mir dabei das Internet ab, denn von der Kamera fand sich ein fertiges Modell, was mir einen kompletten Scan erspart. Bleiben Helm und Banane.

Helm, Kamera und eine Banane nebeneinander auf dem Schreibtisch
Die drei Zutaten. Helm, Kamera und eine Banane, die ihre besten Tage hinter sich hatte.

10:56 Uhr
Der Helm macht erwartungsgemäß keine Probleme. Groß und strukturiert genug, der Scanner nimmt ihn ohne Murren. Easy peasy, denke ich mir, das Projekt wird schneller fertig als gedacht.

Der Helm auf dem Drehteller vor dem 3D-Scan am Bildschirm
Der Helm im Scanner. Groß und strukturiert genug, keine Zicken.

11:34 Uhr
Die Banane sieht das anders. Auch sie muss von allen Seiten scanbar sein, also versuche ich es mit Essstäbchen als Halterung. Sie rutscht ständig ab, und mit jedem neuen Aufspannen wird die Banane immer instabiler.
12:14 Uhr
Irgendwann gibt auch die Banane nach und ist vollständig eingescannt. Ab hier wird es angenehmer, weil alles Weitere am Rechner passiert. Grob skalieren, stauchen, strecken, die Kontaktfläche zwischen Helm und Banane herstellen.

Die Banane auf einem Essstäbchen, beklebt mit Scan-Markern
Die Banane wehrt sich. Aufgespießt und mit Markern beklebt, damit der Scanner sie überhaupt fassen konnte.

13:42 Uhr
Inzwischen sitzt auch das Negativ der Kamera in der Banane, womit beide Kontaktflächen stehen. Damit ist der eigentlich spannende Teil dran, der Fixiermechanismus.

14:14 Uhr
Die Schraubverbindungen laufen mit Absicht nicht parallel, sondern in einem leichten Winkel zueinander. So bekomme ich zusätzlich zur Klemmung eine geometrische Fixierung, und sollten sich die Schrauben irgendwann lösen, ohne gleich herauszufallen, bleibt die Kamera trotzdem an Ort und Stelle. Theoretisch zumindest, denn am Bildschirm lässt sich das schlecht prüfen.

16:43 Uhr
Die Unterschale geht erst einmal als Prototyp in den Drucker. Um Zeit zu sparen, drucke ich mit rudimentären Einstellungen, zwei Wandlinien und 10 Prozent Infill, denn es geht ja nur um die Frage, ob das Teil überhaupt druckbar ist und ob es passt.

18:37 Uhr
Beides lässt sich mit Ja beantworten. Bleibt gerade genug Zeit, den richtigen Druck mit sechs Wandlinien und 30 Prozent Infill zu starten, bevor es zu meinen Eltern geht.

23:52 Uhr
Zurück vom Abendessen wartet ein fertiges Teil auf dem Druckbett, und auch dieses passt. Fehlt nur noch doppelseitiges Schaumstoffklebeband, mit dem die Banane so am Helm sitzt, dass sie sich im Sturzfall auch wieder löst. Feierabend.

Das fertige weiße Druckteil mit eingesetzter Kamera in der Hand
Fertig vom Druckbett, Kamera eingesetzt.
Die gedruckte Halterung mit Kamera auf dem blauen Helm
Montiert und startklar. Die Banane sitzt auf dem Helm.

Nächster Morgen, 9 Uhr
Alles fertig, auf geht’s.

Auf der Piste

Dass die Halterung auffällt, zeigte sich schon am ersten Lift. Über den Tag verteilt wurde ich mehrfach angesprochen und ausgefragt, nur fiel dabei auffällig oft das Wort Fischflosse, meist verbunden mit der Frage, ob das Ding aerodynamisch etwas brächte. Am Anstrich muss ich also noch arbeiten.

Selfie auf der Piste mit Kamera auf dem Helm
Auf der Piste, Kamera läuft. Von einer Banane war an dem Tag allerdings selten die Rede.

Von der ausgebliebenen Erkennung als Banane abgesehen war der Skitag ein voller Erfolg. Die Konstruktion saß bombenfest auf dem Helm und die Aufnahmen sind durchweg ausgezeichnet geworden. Gefehlt hat mir am Ende nur die Möglichkeit, die aktuelle Geschwindigkeit gleich mit aufzuzeichnen. Über die App geht das zwar, im Nachhinein ist es aber einiges an Aufwand, die Geschwindigkeitsdaten mit dem Bild zu synchronisieren. Damit steht das nächste Projekt eigentlich schon fest.

Mit dem guten Gefühl, einen Prototypen innerhalb von 24 Stunden entworfen, gedruckt und tatsächlich benutzt zu haben, fuhr ich am Abend zufrieden nach Hause.